Münchner testen partielle Bahnsteigerhöhungen
Veröffentlicht am von Martin Ladstätter
Bild: SWM/MVG
München (kobinet) Um Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern die Nutzung der U-Bahn zu erleichtern, testet die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) an den Bahnsteig montierte gelbe Kunststofframpen. "Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) startet in drei U-Bahnhöfen einen Praxistest mit stationären Zustiegshilfen für Rollstuhlfahrer. In diesen Tagen werden die Bahnsteige am Scheidplatz (U2/U3/U8), am Haupt- bahnhof (U1/U2/U7/U8) und am Sendlinger Tor (U1/U2/U7/U8 und U3/U6) versuchsweise mit den leuchtend gelben Kunststofframpen ausgestattet", informiert dieser Tage der Verkehrsbetrieb in München.
Diese - von der MVG auch partielle Bahnsteigerhöhungen genannte - Rampen sind rund 5 Meter lang und 75 Zentimeter tief und werden fix am Bahnsteig auf der Höhe der ersten Zugtüre montiert. "Auch Fahrgäste, die auf den Rollator oder eine Gehhilfe angewiesen sind, könnten profitieren", hält die Abendzeitung fest.
"Sie werden so angebracht, dass sie den Fahrgastfluss am Bahnsteig nicht beeinträchtigen, nämlich auf dem Sicherheitsstreifen zwischen Blindenleitstreifen und Bahnsteigkante. Die Neigung steigt sanft an, am Scheitelpunkt sind die Rampen sechs Zentimeter hoch. Der Kunststoff ist rutschfest. Die Befestigung am Bahnsteig erfolgt mittels Bohrschrauben", informiert die MVG.
MVG-Geschäftsführer Herbert König erhofft sich von einem einjährigen Test Erkenntnisse dazu, "ob sich die Rampen im Alltagsbetrieb bewähren". Wichtig ist ihm dabei die Haltbarkeit des Materials, der Wartungsaufwand und der Resonanz der Fahrgäste.
Der Pilotversuch wurde gemeinsam mit Behindertenvertreterinnen und -vertretern abgestimmt. Oswald Utz, Behindertenbeauftragter der Landeshauptstadt München: "Ich freue mich sehr, dass es uns gemeinsam gelungen ist ein Pilotprojekt zur Überwindung der Höhendifferenz zwischen Bahnsteig und U-Bahnwagen zu starten. Wenn dieses Pilotprojekt erfolgreich ist, könnten wir dem Ziel einer völlig barrierefreien U- Bahn wieder ein gutes Stück näher kommen. Ein barrierefreier ÖPNV trägt auch zur Sicherheit und zügigen Abfertigung an den Bahnhöfen bei und ist somit auch für die MVG von großem Nutzen."
Nach einem Jahr wird die Auswertung der Ergebnisse über das weitere Vorgehen entscheiden, kündigt die MVG an.

Von Utz Oswald
Ich denke es macht Sinn zu euren Meinungen noch ein paar Anmerkungen zu machen. Diese drei Rampen sind ein Test und sollen das Einsteigen in die U-Bahn erleichtern, dass es nicht die Ideallösung ist war klar. Wir haben in München aber ein gewachsenes U-Bahnsystem (unterschiedliche Bahnsteighöhen und unterschiedliche U-Bahnen) dies macht den barrierefreien Einstieg so schwierig. Selbstverständlich werden die Bahnsteige bei Sanierungsarbeiten erhöht, damit ein Einstieg an allen Türen möglich ist, dies dauert und deshalb gibt es den Behelf mit der Rampe. Die Rampe ist an der ersten Tür, weil hier sichergestellt werden kann, dass jeder U-Bahntyp hier hält, bei der 2., 3., etc. Tür könnten wir das nicht sicherstellen. Lesebrille sagt ja in Ihrer Lesermeinung, dass die MVG so großzügig mit der Lebenszeit von Menschen mit Behinderungen umgeht, diesem möchte ich widersprechen, weil die Bahnsteigerhöhung noch brauchen haben wir uns für den Behelf entschieden. Ich hoffe, ich konnte etwas zur Aufklärung beitragen und wünsche mir weiterhin von vielen Nutzerinnen und Nutzern ein Feedback.
Grüße aus München
Behindertenbeauftragter
Von ingrid
Lauter gleiche U-Bahnen, immer im gleichen Wagen und an allen Stationen, klingt nach einem Traum.
Ich fahre täglich in Berlin und kapituliere manchmal schon bei den drei verschiedenen U-Bahn-Typen. So steige ich auch bei den neuen immer in der ersten Tür zu (wo eigentlich kein Rollstuhlplatz ist) weil ich ja vorher nicht weiß, welche grade kommt und bei vollem Bahnsteig mit Ein-und Aussteigebetrieb kann ich mich nicht mehr schnell durch die Menschenmenge zu ner andren Tür kämpfen.
Letztens hatte ich es bei der Straßenbahn. Die neuen alten nutzen die erste Tür und die neuen neuen eine weiter hinten. Also auch hier das gleiche Spiel.
Fazit für mich gerade: Ich fühl mich da am wohlsten und sichersten, wo ich den Fahrer notfalls auch durch Klopfzeichen erreichen kann. Also direkt hinter der Fahrerkabine.
Von Lesebrille
"...könnten wir dem Ziel einer völlig barrierefreien U- Bahn wieder ein gutes Stück näher kommen." Ein "Könnten" ist ja hübsch, sagt juristisch gesehen aber gar nichts aus. Vielmehr ist ein ebener Eingang auf eine ganze lange Bahn keine Barrierefreiheit. Vielmehr wird auch in München sehr grosszügig mit der Lebenszeit von Menschen mit Behinderungen, die auf einen barrierefreien Einstieg angewiesen sind, umgegangen. Sie dürfen ein Jahr lang Versuchskaninchen sein. Und dann? Dann stellt sich heraus, was auch jetzt schon abzusehen ist, dass die Situation keineswegs befriedigend ist und das Verkehrsaufkommen wesentlich höher als berechnet. Wie schnell wird dann reagiert?
Auch hier in Frankfurt am Main wird nicht in dem Tempo gebaut wie wir es uns wünschen würden, aber ich kann immerhin an die meisten Orte barrierefrei und z. B. in den neuen U-Bahnwagen jede Tür anfahren, weil sie zu den Bahnsteigen passen. Plätze für RollstuhlnutzerInnen sind auch in derzeit (die Bevölkerungszahl wächst und die Menschen werden mobiler) guter Anzahl vorhanden.
Von Arnd Hellinger
Keine gute Lösung, denn die neuen C-Züge hätte man direkt so bauen können, dass sie - wie in Berlin die dortigen Neubaureihen - plan mit den Bahnsteigen abschließen. So müssen die Fahrer stets sehr genau bremsen und wenn Altwagen als "Kurzzug" fahren, hat mensch mit Rolli die Po-Karte - da wären mobile Rampen (gibt's in Berlin auch) deutlich sinnvoller.
Die MVG sollte sich einmal bei der BVG erkundigen...
Von Lesebrille
Wie einer in der Münchner Zeitung schon schrieb: Was passiert, wenn die U-Bahn nicht ganz korrekt fährt? Müssen dann alle auf die nächste warten? Und ist es möglich, innerhalb de U-Bahn dann noch "aufzurutschen", sprich: durchzurollen/-gehen? Denn bei einem einzigen Einstieg auf eine ganze Bahn stelle ich mir das Gedrängle von Rollstuhl- oder RollatornuztzerInnen bzw. KinderwagenschieberInnen ziemlich eng vor. Können (Wahl-)MünchnerInnen dazu was sagen?