Behinderte Flüchtlingskinder in Berlin

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Mädchen nach Erstaufnahme in Marienfelde
Mädchen nach Erstaufnahme in Marienfelde
Bild: Sibylle Baier

Berlin (kobinet) Die heute vorgestellte Dokumentation „(K)eine Zukunft – Flüchtlingskinder mit Behinderung / Menschenrechtsverletzungen in Berlin" gibt erstmals eine umfassende Darstellung der Situation in Berlin. Schätzungen zufolge sind zehn bis fünfzehn Prozent der Flüchtlinge und Asylsuchenden in Deutschland krank oder behindert. Behinderte Flüchtlingskinder gehören entsprechend der EU-Richtlinie 2003/9/EG zu den „besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen". Dennoch sind sie oft von Ausweisung bedroht, was dazu führt, dass ihnen medizinische und sonstige Leistungen versagt bleiben bzw. erst nach Monaten oder Jahren bewilligt werden.

Hisham ist seit einem Bombenangriff in seiner Heimat schwerstbehindert. Im Dezember 2012 floh seine Mutter mit ihm und seiner Schwester nach Berlin. Bis heute muss der mittlerweile 15-Jährige im Kinderwagen geschoben werden, weil die Familie immer noch auf einen Rollstuhl wartet. Dem vierjährigen Salah, der als Kind palästinensischer Eltern in Berlin geboren wurde, droht die Abschiebung in den Libanon, wo Kinder mit Down-Syndrom kaum einen Zugang zu medizinischen und sozialen Leistungen haben. Der gleichaltrige Ali leidet an einer zerebralen Parese und entwickelt wegen zu spät bewilligter Hilfsmittel Fehlstellungen in den Gelenken, die zu bleibenden Schäden mit Folgeoperationen führen.

„Es sind keine Einzelfälle! Wir waren selbst sehr erschrocken, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt", warnt Benita Eisenhardt von der Fachstelle MenschenKind im Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg, die den Prozess einer systematischen Aufarbeitung mit weiteren Akteuren der Behinderten- und Flüchtlingshilfe angestoßen hat. „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass hier massiv gegen Kinder- und Menschenrechte verstoßen wird", fordert Musa Al Munaizel, Leiter der Lebenshilfe Integrationskita in Berlin-Neukölln.

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