Gastro-Eventlocation ohne Klo

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Sponti-Protest in der Arminius-Markthalle
Sponti-Protest in der Arminius-Markthalle
Bild: sch

Berlin (kobinet) Die Arminius-Markthalle in Berlin-Moabit ist nominiert, wieder als Gastro-Eventlocation ausgezeichnet zu werden. Doch ob bis zur Preisverleihung Ende September die von der Zunft AG betriebene Markthalle auch eine barrierefreie Toilette hat, ist höchst fraglich. Nach der spektakulären Aktion vor einer Woche (Piss in Berliner Markthalle) lehnte es der Betreiber aus Wachenheim an der Weinstraße weiterhin ab, für ein behindertengerechtes WC zu sorgen.

Der Einbau eines barrierefreien WCs würde mindestens 300 000 Euro kosten. „Das ist für den Eigentümer unzumutbar", wurde den Protestlern entgegnet. Wie in der lokalen Presse weiter zu lesen war, haben die Bezirksbehindertenbeauftragte Hildrun Knuth und der grüne Bezirksverordnete Marc Urbatsch festgestellt: Die Arminius-Markthalle umgehe die Bauvorschrift, wonach bei Restaurationsbetrieben ab 50 Quadratmetern Größe eine barrierefreie Toilette vorhanden sein müsse, mit dem Argument, dass es sich in der Halle um lauter einzelne Gaststätten handele, die alle eine Fläche unter 50 Quadratmetern hätten.

Zur Einkehr in den vielen Gastronomiebetrieben der altehrwürdigen Arminiusmarkthalle wirbt der Betreiber. Die Fläche für Brunch, Weinverkostung, Schlemmer-Varieté, Caféhaus-Unterhaltung am Klavier und Geige sowie weitere Attraktionen über die früheren Lebensmittel-Marktstände hinaus dürfte sich locker auf das Dreifache vergrößert haben. Und das ist gut so, wie die Berliner sagen. Nicht so gut finden sie, wenn berechtigte Forderungen von Betroffenen unter Hinweis auf die Kosten so einfach abgebügelt und Berliner Vorschriften zur Barrierefreiheit verletzt werden.

Gefragt wird jetzt, ob in der zuständigen Senatsverwaltung 2010 bei der Übergabe des landeseigenen Unternehmens an den derzeitigen Betreiber nicht richtig aufgepasst wurde oder der Neueinsteiger aus Rheinland-Pfalz Berliner Vereinbarungen missachtet hat, als er aus der Lebensmittel-Markthalle eine Gastro-Eventlocation machte.

Lesermeinungen zu “Gastro-Eventlocation ohne Klo” (1)

Von Lesebrille

Also die Palz ist ja jetzt auch sooo hinterwäldlerisch nicht! Nix für ungut!

Auch dort gibt es die Regelung, dass der Zugang in Gaststätten zu den Dauergenutzten Dingen auch so herzustellen oder instandzuhalten ist, dass sie von uns genutzt werden können (§51, Abs. 2 LBauO Rheinland-Pfalz) Genaueres konnte ich auf die Schnelle nicht finden.

Heisst: der gute Mann musste das wissen. Und: Nichtwissen schützt doch nicht vor Nacharbeit! Es wirkt hier aber eher so, dass hier nicht etwa ein Rheinland-Pfälzer in völliger Ahnungslosigkeit agiert hat, sondern vielmehr, dass der Betreiber versucht die Bauordnung in Berlin durch Tricks zu unterlaufen!