Rechtsradikaler Anschlag in Jüterbog

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Blick in die Turmstube nach dem Anschlag, der einem Spaziergang gegen Asylbewerber folgte
Blick in die Turmstube nach dem Anschlag, der einem Spaziergang gegen Asylbewerber folgte
Bild: Andrea Fichtmüller

Jüterbog (kobinet) Nach einer heftigen Explosion in einer evangelischen Einrichtung in Jüterbog haben heute Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter und der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, den Anschlag von rechtsradikalen Asyl-Gegnern  verurteilt. „Wir werden ihnen keinen Zentimeter weichen", sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter bei einem Treffen, zu der die Kirchengemeinde der Stadt nach dem Anschlag auf den auch von Flüchtlingen besuchten Treffpunkt für Kinder und Jugendliche eingeladen hatte. „Diejenigen, die vorgeben, das christliche Abendland zu verteidigen, aber zugleich Anschläge auf kirchliche Einrichtungen verüben, haben die letzte Maske fallen lassen."

Am Freitagabend waren nach einem NPD-Aufruf unter dem Motto "Nein zum Asylwahn, Ja zu Jüterbog" etwa 150 Leute mit Fackeln durch das 12.000-Einwohner-Städtchen gezogen. Ihnen traten etwa 500 Gegendemonstranten entgegen. Von einem befreundeten Journalisten und gelegentlichen kobinet-Leser erhielt die Redaktion heute Abend einen Bericht:

Ab 17.30 waren wir auf dem Marktplatz vor "Brandenburgs ältestem Rathaus", rote Grablichter in den Händen wie 500 andere Leute. Kleines Programm mit Ansprachen und Musik, um 18.45 mussten wir vom Platz, da die NPD-Leute ihren "Spaziergang" eher angemeldet hatten und vom Bahnhof bis zum Markt unter Parolen "Deutschland den Deutschen!" marschierten, 150 Leute. Es sollte sie nicht geben und es gab auch keine Berührung. Wir verzogen uns samt Kerzen in die Nikolaikirche, die seit den Predigten von Tetzel  wohl nicht mehr so voll gewesen war. Kleines Programm, einer sang rührende Lieder ("Wolke 4"), die Glocken wurden unaufhörlich geläutet, um die "Bösen" zu übertönen. Es wurde 21.00 Uhr in der Kirche. Dann wieder Marktplatz, symbolisches Ausfegen, um den rechten Dreck wegzukriegen. Viel Polizei, keine Probleme.

Nachts halb zwölf Feuerwehr-Sirenen. Irgendwelche Elemente hatten in Jüterbog Scheiben eingeschlagen und Explosionskörper in die Turmstube, eine kleine Räumlichkeit in einem der Stadtmauertürme, geworfen. Schaden dreitausend Euro oder mehr. Hier hatten Andrea und ich den Sonnabend-Treff für Asylbewerber und Jüterboger mit aus der Taufe gehoben. Oft waren wir da, Tee kochen und reden.

Lesermeinungen zu “Rechtsradikaler Anschlag in Jüterbog” (2)

Von Selli

Erst mal abwarten, ob es Leute mit rechtslastiger Gesinnung waren, die hier gezündelt haben.

Und gegen Behinderte geht's schon lange, siehe vorgeburtlicher, neu entwickelter Bluttest gegen Menschen mit Down Syndrom.
Dieser Testkit wird am Bodensee in einem Ableger eines us-amerikanischen Unternehmens hergestellt und weltweit vertrieben.

Von idefixas

Es ist schon sehr schlimm, dass sich in unserer Republik die rechte Gesinnung immer mehr ausbreitet. Die Gewaltbereitschaft dieser Rechten wird immer schlimmer und trifft nicht nur Asylanten, sondern auch ehrenamtliche Helfer, die sich für diese einsetzen und helfen. Heute sind es Menschen mit Migrationshintergrund, morgen Juden, Schwule und vielleicht auch behinderte Mitbürger.
Das Ganze wird noch geschürt durch die AfD, NPD und sonstige Scharfmacher. Die schweigende Mehrheit schaut zu und macht nichts. Nur wenige gehen auf die Straße. Was muss eigentlich noch geschehen um Zustände wie damals zwischen 1933 und 1945 zu erhalten?
Ist denn unser Volk so dumm und hat aus der Geschichte nichts gelernt? Wer diese Parteien wählt begeht ein Verbrechen an unserem Land, an Europa und unserem Volk.