Wie eine Behinderung Menschen arm macht
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: SWR
Stuttgart (kobinet) "Wie eine Behinderung Menschen arm macht" lautet der Titel des gut 5minütigen Fernsehbeitrags, der gestern Abend in der Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" im SWR Fernsehen ausgestrahlt wurde. Der Beitrag macht deutlich, wie behinderte Menschen von der Anrechnung des Einkommens und Vermögens betroffen sind und was dies im Lichte der derzeitigen Pläne für das Bundesteilhabegesetz bedeuten würde.
Der zur Ausstrahlung geplante Beitrag zum Bundesteilhabegesetz in der Sendung mehr/wert des Bayerischen Fernsehen wurde angesichts des Hochwassers in Bayern auf den 30. Juni geschoben, wie Andreas Vega aus München berichtet.

Von mvoss
Wenn wir "starken Behinderten" es nicht schaffen, mit unseren Aussagen richtig wahrgenommen zu werden, wird sich auch nicht viel für die Schwächeren tun. Wenn die Würde des Menschen endlich auch für Behinderte und überall gilt, regelt sich automatisch vieles selbstverständlich. Und wenn wir uns nicht mehr für unsere Behinderungen rechtfertigen müssen, können wir auch am Leben in der Gesellschaft teilnehmen. Das wollte ich eigentlich mit meinen Auftritt im SWR aussagen.
Von mvoss
Lieber Herr Schwarz,
über den gut 5 Minuten-Bericht bin ich auch nicht glücklich. Zu Recht ich habe sehr gezögert, einer Aufnahme fürs Fernsehen zuzustimmen. Denn auf die letztendliche Szenen- u. Textauswahl hatten wir man nach dem (2-stündigen) Dreh leider keinen Einfluss mehr. Ganz ausdrücklich möchte ich festhalten, dass ich nicht das Wort „von der Untätigkeit mancher Leute, die nicht … arbeiten würden“ benutzt habe. Zuvor wurde von der Sprecherin gesagt, dass ich manchmal überlege aufzugeben. Aber ich tue es nicht, weil es meiner Natur widerspricht und ich in der glücklichen Lage bin, dass mein Mann sich vor langer Zeit selbstständig gemacht hat und ich bei ihm im ersten Arbeitsmarkt arbeiten kann. Und um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, muss ich vorrangig meinen Arbeitnehmerverpflichtungen nachkommen.
Sie haben geschrieben, dass wir recht selbstsicher auftreten. Ich bin mir auch bewusst, dass andere nicht so gut aufgestellt sind, wie mein Mann und ich. Und nur deshalb habe ich zugestimmt, um diesen Menschen ein Stückchen Stimme zu geben, nicht wegen meiner persönlichen Lage. Die sehe ich nur im Klageweg zu lösen und dazu brauche ich kein Fernsehen.
Und ich habe auch keine 4-5 Assistenten. Bei einem mindestens 8-Std. Tag habe ich eine Arbeitsassistenz für 4 Stunden. Zu Hause kommt morgens der Pflegedienst für ca. 1 Std. um mich aus dem Bett zu holen und arbeitsfertig zu machen. Den Rest erledigen meine 71 jährige Mutter und mein seit über 30 Jahren im Rollstuhl sitzender Mann, unentgeltlich.
Ich maße mir keinesfalls an, aufgrund unserer Position auf andere herabzusehen. Mir gefällt es auch nicht, wie z.B. mit den Menschen in den Werkstätten umgegangen wird, und noch vieles mehr. Aber ich kann mich in einem so reichen Staat nicht damit zufrieden geben, dass sich andere in weitaus schlimmeren Situationen befinden.
Von Gisela Maubach
Lieber Lothar Schwarz,
ganz herzlichen Dank für diese Darstellung!!!
Auf diesen Aspekt der Einseitigkeit weise ich seit Jahren hin.
Obwohl der Gesetzentwurf insgesamt so katastrophal ist, dass er "fundamental" abzulehnen ist, wird in der Öffentlichkeit nun suggeriert, dass das Problem nur darin liegen würde, dass Arbeit sich für Menschen mit Behinderung nicht "lohnen" würde.
Dabei wird grundsätzlich gar nicht erst erwähnt, dass mit diesem Gesetz insbesondere Menschen von der Sozialen Teilhabe ausgeschlossen werden sollen, die behinderungsbedingt überhaupt keine Arbeit verrichten KÖNNEN.
Es wird sich zeigen, ob der Ruf "nicht mein Gesetz" in der Realität vielleicht doch nur "nicht meine Einkommens- und Vermögensfreiheit" bedeutet und ein "Richtungswechsel" schon dann akzeptiert würde, wenn allein in diesem Bereich Verbesserungen angeboten werden, während diejenigen Menschen mit Behinderung (und ihre Angehörigen), die von Einkommen und Vermögen nur träumen können, nach wie vor AUSGESCHLOSSEN bleiben sollen, so dass die Angehörigen, die ohne entsprechende Entlohnung 7 Tage pro Woche rund um die Uhr pflegen und betreuen, irgendwie mit ihrer Erschöpfung umgehen müssen.
Von Lothar Schwarz
weiß ich auch: Es macht mehr Spass, wenn ein Unternehmen läuft und etwas abwirft auch, wie wenn man stupide Arbeiten für ein paar Euro im Monat machen soll. Im Übrigen sind das oft Menschen, die von einem "Vermögen" von 2 600 € nur träumen können !!!!!! In Sendungen von Ihnen sollten Sie - im Namen so vieler Behinderter u.a. - solche Aspekte berücksichtigen !
Von Lothar Schwarz
Wir haben dem SWR auf die Sendung hin geschrieben:
Sehr geehrte Damen und Herren
dieses Land, dieser Staat kann Vieles Eines nicht:_ Gerechtigkeit. Den o.g. Beitrag finden wir wichtig und richtig. Aber auch hier: Da werden behinderte Unternehmer gezeigt, in anderen Berichten kommen Raul Krauthausen u.a. zu Wort, die ganz offen aussagen, sie hätten 5-6 Assistenten oder sogar mehr. Wir kennen sehr viele Menschen, die behindert sind und kaum aus ihren 4 Wänden kommen. Die Unternehmerin aus ihrem Bericht benutzt dann auch noch das Wort von der Untätigkeit mancher Leute, die nicht wie sie, arbeiten würden. Wir kennen behinderte Menschen, die würden gerne arbeiten, finden aber keine Arbeit oder müssen irgendwelche schlimmen Arbeiten in Einrichtungen machen ( für Rüstungsfirmen z.B. oder monotone Arbeiten für die Industrie ). Viele Behinderte können wg. der Schwere der Behinderung nicht arbeiten. Aus eigener Erfahrung : Eine zu 100 % behinderte junge Frau arbeitet ca. 18 Std./Woche ca. 72 Std7mon. ( mehr geht nicht ) und bekommt dafür Netto 400 € !!!! Ich als ihr Lebenspartner pflege sie rund um die Uhr - auch an sonn u Feiertagen und erhalte dafür ca. 500 € pro Monat. So sehen dann die noch prekäreren Lebensverhältnisse aus, die auch in den Medien kaum gezeigt werden ! Darunter auch Menschen, die nicht so selbstbewußt auftreten können wie das behinderte Ehepaar aus dem Bericht von Ihnen ! Denen wir natürlich viel gönnen, ohne Frage. Aber auch an dieser Stelle wird oft vergessen, dass es Behinderte gibt, die z.B. ( auch ein Beitrag von Ihnen ) einen Kampf um Windeln ( Inkontinenzhilfen ) mit den Krankenkassen haben. Es stimmt eben gar nichts mehr in diesem Land. Und auch unter Behinderten gibt es leider unterschiedlichste Meinungen. Die behinderte Unternehmerin sollte nicht vergessen, was wir z.B. über Menschen ausgesagt haben, die keine Arbeit haben oder eben angestellt sind und dann kaum etwas verdienen. Da ich ( der Pflegende Angehörige ) selbst schon eine Firma hatte