Nur eine Handvoll Leben
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: WDR/Wolfgang Ennenbach
Berlin/Köln (kobinet) In diesem Jahr geht ihr Medienpreis BOBBY an die Schauspielerin Annette Frier und den WDR-Fernsehfilm „Nur eine Handvoll Leben", teilte heute die Lebenshilfe mit. Der Film zeigt, wie Eltern von einem Moment auf den anderen vor die Entscheidung über Leben und Tod gestellt werden. 3,2 Millionen Zuschauer fieberten am 23. März zur besten Sendezeit mit – und fragten sich: Was würde ich tun? Am Ende entscheidet sich die Mutter, gespielt von Annette Frier, gegen einen Schwangerschaftsabbruch: Ihr Kind mit Trisomie 18 soll selbst bestimmen können, ob es leben will.
„In einer Zeit, in der ein solcher Befund fast immer zur Abtreibung führt, macht der Film Eltern Mut, ihr behindertes Kind anzunehmen. Er setzt ein Zeichen für das Leben, lässt aber auch andere Sichtweisen und Haltungen zu und kommt dabei ohne moralischen Zeigefinger aus", meint Lebenshilfe-Vorsitzende Ulla Schmidt. So habe ein Millionen-Publikum erfahren, was werdende Eltern über Pränataldiagnostik wissen sollten. „Damit leistet der Film im wahrsten Sinne des Wortes Lebenshilfe und hat eine überaus wichtige gesellschaftliche Diskussion im Sinne behinderter Menschen vorangebracht."
„Nur eine Handvoll Leben" ist noch in der Mediathek der ARD zu sehen

Von Rosa
@ Arnd Hellinger
Nachtrag:
Genau diese Anpassung des Rahmenvertrags habe ich eingefordert. Dazu sieht man keine Veranlassung.
Ich soll mich auf die Suche nach einem Einrichtungsträger machen, der die notwendigen Rahmenbedingungen vorhält.
Es gilt das "St.-Florians-Prinzip" - Verschon uns Herr, zünd andere an!
Von Rosa
In meinem Fall ist nicht der Kostenträger das Problem, sondern der Einrichtungsträger.
Sich an die BV LH zu wenden bringt überhaupt nichts, da man nur Mitglieder berät und unter "Mitglieder" versteht die BV nicht das gemeine Mitglied an der Basis - uns Eltern -, sondern die Einrichtungsträger in den Orts-, Kreis- und Landesverbänden. Die BV kann/will "sich hier nicht einmischen"!
Dasselbe gilt für den überörtlichen Träger der Sozialhilfe, der sich ebenfalls "heraushält"!
Einrichtungsträger sind wichtige regionale Arbeitgeber.
Und bei dieser Gemengen/Interessenlage kann schon mal der Eine oder Andere durch das Raster fallen. Die Lebenshilfe "kann nun mal nicht allen und jedem helfen"!
Darüber erfahren wir in diesem Forum.
In der "Lebenshilfe-Zeitung" ist darüber nichts zu erfahren.
Da spielt auch keine Rolle, ob man 10 oder 40 Jahre Mitglied ist.
Deshalb ist die Lebenshilfe auch kein Elternverein mehr, denn so haben wir Eltern uns das bei der Gründung damals nicht vorgestellt, sondern die Interessenvertretung i.d.R. mittelständischer Unternehmen und daraus folgend in erster Linie wirtschaftlicher Ausrichtung.
Von Gisela Maubach
@ Arnd Hellinger
Rahmenverträge schließen nicht Kostenträger mit örtlichen Einrichtungen, sondern überörtliche Träger der Sozialhilfe und kommunale Spitzenverbände einheitlich (!) mit den Vereinigungen der Träger der Einrichtungen auf Landesebene.
Ich selbst habe übrigens bereits Gespräche mit der Lebenshilfe initiiert - auch mit der Geschäftsführerin und der Vorsitzenden der Bundesvereinigung, woran mindestens vier weitere betroffene Elternteile teilgenommen hatten.
Es hat nichts - aber auch gar nichts - gebracht!
Bitte hören Sie auf, uns Eltern erstmal abzufragen, ob wir vorher auch schon genug unternommen haben, um würdig zu sein, für unsere Kinder ein Leben in der Gesellschaft fordern zu dürfen.
Fakt ist, dass wir Eltern fordern, dass unsere Kinder nicht von denjenigen Leistungen ausgeschlossen werden, die auch ihnen ein Leben außerhalb von Einrichtungen (auch Werkstätten) ermöglichen.
Und Fakt ist weiterhin, dass Sie heute geschrieben haben, dass „die Familien sehr unterschiedliche - teilweise entgegengesetzte - Forderungen aufstellten, die gesetzgeberisch nur schwer bis gar nicht in Einklang zu bringen sind“.
Diese Aussage ist falsch und kontraproduktiv!
Es versteht sich von selbst, dass es gemäß UN-BRK „gesetzgeberisch in Einklang“ gebracht werden MUSS, dass es auch für unsere Kinder kein Zwangs-Poolen geben darf!
Von Arnd Hellinger
@ Rosa:
Haben Sie sich denn schon einmal selbst an die Bundesvereinigung Lebenshilfe gewandt und gebeten, Ihre örtliche Einrichtung gegenüber dem Kostenträger zu unterstützen. Möglicherweise wurde der aktuelle Rahmenvertrag ja verhandelt, bevor Sie Ihr Kind anmeldeten und müsste dementsprechend angepasst werden...
Und ja: Es gab um die Jahrtausendwende die unsägliche Ökonomisierung des Sozial- und Gesundheitswesens, die nicht nur Einrichtungen der Lebenshilfe, sondern auch Krankenhäuser etc. zwingt, sich "unternehmerisch" zu verhalten und ihre Kosten "am Markt" zu erwirtschaften. Dass dieser Systemwechsel mit bedarfsgerechter individueller Leistung für die Betroffenen nichts zu tun hat, daher menschenunwürdig ist und schleunigst rückabgewickelt werden sollte, ist für mich keine Frage. Nur muss man davon eben auch gewisse Leute in Berlin und Brüssel überzeugen...
Von Rosa
"...macht der Film Eltern Mut, ihr behindertes Kind anzunehmen."
ICH, liebe Ulla Schmidt von der Lebenshilfe, habe mein schwerstbehindertes Kind angenommen.
Der "Elternverein Lebenshilfe" kann dies leider nicht, da ihm, jetzt, da die "handvoll Leben" 100 kg wiegt und 180 gross ist, die "räumlichen und personellen Rahmenbedingungen" fehlen.
Ist es nicht die BV, die ihren Mitgliedern hilft bei der Ausarbeitung der Rahmenverträge? Und warum fehlen dann die notwendigen Rahmenbedingungen vor Ort?
Weil die Lebenshilfe auf Teilhabe an Arbeit anstatt auf Teilhabe in der Gemeinschaft ihr hauptsächliches Augenmerk legt und unsere schwerstbehinderten Kinder längst aus den Augen verloren hat.
Von Susanne v.E
Eine wirklich herzergreifende Geschichte. Mit Happy End wie in einem Hollywoodfilm. Die (gute) Entscheidung ist getroffen, das Kind darf selber entscheiden, ob es leben will. Wie bei allen Happy End Filmen, endet der Film da, wo die Realität anfängt. Was, wenn sich das Kind etscheidet länger als nur einen kurzen Zeitraum zu leben? Was, wenn aus einem süßen kleinen Kind ein erwachsener Mensch mit vielleicht schweren mehrfachen Behinderungen wird? Dann zeigt kein herzerwärmender Film mehr, wie es ist ,in einer "Fördergruppe" einer WfbM als arbeitsunfähiger Mensch exclusiv unter seinesgleichen seine Tage fristen zu müssen. Als Alternative stünde noch die rund um die Uhr Betreuung durch "greise" Eltern zur Verfügung. Ob sich daraus wohl auch ein herzerwärmender Film machen ließe, der betroffene Eltern dazu motivieren könnte ein schwerst(mehrfach)behindertes Kind in diese Welt zu setzten Eine Welt, die diese süßen Kinder, wenn sie erwachsen sind und keine nützlichen Behinderten sein können, einfach vergessen kann
Von Gisela Maubach
Was mich am meisten nervt, ist die Tatsache, dass das ungeborene Leben ständig thematisiert wird, während die Situation von Eltern, die dann jahrzehntelang ein schwerst(mehrfach)behindertes Kind nicht nur betreuen und pflegen, sondern auch grenzenlose Kämpfe gegen Kostenträger führen müssen, größtenteils ignoriert wird.
Skandalös ist nicht nur die Tendenz der Spaltung in "brauchbare" und "nicht brauchbare" Menschen mit Behinderung, indem fast nur noch deren Arbeitsfähigkeit und die damit verbundenen Einkommen und Vermögen thematisiert werden, sondern insbesondere auch das Ignorieren der Benachteiligung derer, die sich nicht selbst vertreten können, indem ihre Leistungsausschlüsse trotz wiederholter Hinweise durch betroffene Eltern konsequent totgeschwiegen werden.
Von Signe
Unrealistische Erzählung, da in einem gesellschaftlichen Milieu verortet, das die meisten nur aus Erzählungen kennen.
Auch das Gucken eines Filmes bringt (jedenfalls die meisten) Zeitgenoss/innen nicht dazu, immer und jedes Kind zur Welt zu bringen. Hier wird zuviel Hoffnung in das Medium 'Spielfilm' gelegt. Die Medienwirkungsforschung weiß andere Wirkung aus dem Gucken von Filmen zu berichten.
Es wäre einen Versuch wert, den Film allen DänInnen vorzuspielen. In Dänemark feiert die vorgeburtliche Abtreibung von behinderten Kindern alltäglich fröhliche Urständ' und das wird als Erfolg in den großen Tageszeitungen Dänemarks veröffentlicht, keineswegs neutral, sondern ebenso euphorisch, siegestaumelnd.
Ich denke nicht, dass sich die 'lieben' lebensliebenden DänInnen von diesem Film umstimmen lassen und nicht mehr, wie bist jetzt, behinderte Kinder abtreiben.