Berlins City-Toiletten bald wieder weg?
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: bluespot.de
Berlin (kobinet) Berliner Bezirksverwaltungen wollen nach Ablauf des Vertrags mit der Wall AG, die vom Unternehmen seinerzeit entwickelten, aufgebauten und betriebenen City-Toiletten wieder abbauen. Um Werbeflächen zu vermarkten, hatte das Stadtmöbel-Unternehmen fast 200 weitgehend barrierefreie öffentliche Toiletten eingerichtet. Ilja Seifert forderte heute gegenüber kobinet, Barrierefreiheit erhalten und ausbauen, nicht "zurückbauen".
"Das wäre skandalös! Und es wäre dumm", betonte der Vorsitzende des Allgemeinen Behindertenverbands in Deutschland (ABiD). Der Abbau dieser nützlichen "Örtchen" wäre ein großer Fehler. "Diese barrierefreien City-Toiletten waren ein großer Fortschritt. Weit über Berlin hinaus. Sie erhöhen die touristische Attraktivität der Hauptstadt ebenso wie sie Einheimischen guttun (können). Eltern nehmen ihre Kinderwagen mit hinein. Vor allem aber ermöglichen sie Menschen mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigngen (z.B. Rollstuhlfahrer*innen), sich relativ frei in der Stadt bewegen zu können."
Mitte der 90er Jahre setzte sich der Berliner Behindertenverband dafür ein, dass möglichst viele dieser Toiletten-für-Alle aufgestellt und betrieben werden. Der Verband beriet die Wall-Geschäftsführung und auch die Ingenieure bei der Konzipierung, Projektierung und schließlich beim Praxistest dieser High-Tech-Stadtmöbel. Ihr Abriss wäre, so Seifert, ein zivilisatorischer (und hygienischer) Rückschritt.

Von Arnd Hellinger
@ Signe:
Auch wenn Sie es sich nur schwer vorstellen können: Es gibt in dieser Stadt tatsächlich viele Menschen mit Behinderung, die sich - zu welchem Zweck auch immer - bisweilen außerhalb ihrer Wohn- und/oder Arbeitsstätte aufhalten. Und für die hat es schon erhebliche Bedeutung, zu wissen, dass und wo sie ggf. ihre Notdurft in einer soziokulturell akzeptierten Weise verrichten können...
Von Arnd Hellinger
Es geht in der Tat "nur" darum, wer die Toiletten ab 2018 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt betreiben darf. Dazu schreibt das Vergaberecht eine EU-weite öffentliche Ausschreibung vor, an der sich neben der WALL AG jedes andere Unternehmen beteiligen darf, das sich die Umsetzung der Ausschreibungskriterien zutraut..
Abgebaut werden soll da auch gar nichts. Vielmehr sind die Bezirksämter ersucht, weitere Standorte vorzuschlagen, die dann in den Vertrag mit WALL oder ggf. dem neuen Betreiber aufgenommen werden sollen.
Also: Viel Lärm um eher wenig... :-)
Von Signe
Wenn nun die Toiletten-Story die Nöte von Eltern schwerstmehrfachbehinderter, erwachsener Söhne und Töchter zu toppen scheint ...
Man kann sich nur wundern und kann hier nur den Kopf schütteln.
Probleme haben manche Leute ...
Dabei sind diese Toiletten oft ungeputzt. Wie man sich nach solchen ungeputzten Toiletten sehen kann(?)
Von Sven Drebes
Geht es wirklich darum, die City-Toiletten wieder abtzubauen??? Das wäre tatsächlich dumm und skandalös. Ich habe eine Abendschau-Meldung zum Thema aber so verstanden, dass nur der BETRIEB der Häuschen neu ausgeschrieben wird. Dabei bleiben sie stehen, die Frage ist nur, ob Wall, Ströer oder jemand anderer Klopapier und Seife nachfüllt und Reparaturen durchführt.