Wolfgang Biermanski bringt Menschen in Bewegung

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Wolfgang Biermanski
Wolfgang Biermanski
Bild: Wolfgang Biermanski

Herne (kobinet) Wolfgang Biermanski (44) ist von Geburt an blind und hat als Jugendlicher 90 Prozent seines Gehörs verloren. Als Inklusionsbotschafter will er Menschen in Bewegung bringen. Seit 1993 engagiert er sich u.a. für die Christoffel-Blindenmission (CBM) und hat bei zahlreichen Spendenaktionen mehr als 108.000 Euro gesammelt. Mit diesem Geld wurde in mehreren Projekten der CBM in Afrika und Nepal 3.615 Menschen das Augenlicht in Form einer Grauen-Star-Operation wiedergegeben. Vor kurzem hat Wolfgang Biermanski die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Selbst Aktiv - behinderte Menschen in der SPD in Herne gegründet, zu dessen Vorsitzenden er einstimmt gewählt wurde.

Wie lebt man, wie überlebt man, wenn man nicht sehen und nur ganz schlecht hören kann? "Ich habe unter Kontaktarmut gelitten, bin in ein tiefes Loch abgerutscht. Eigentlich wollte ich nicht mehr da sein", erinnert sich Wolfgang Biermanski. Zur rechten Zeit riet ihm eine Therapeutin, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Er landete in einem Kreis für Menschen mit Angst- und Panikattacken. Als der alljährliche Ausflug anstand, hieß es wie selbstverständlich: "Klar nehmen wir dich mit, du gehörst doch zu uns." Seine Sorgen waren unbegründet. "Von da an war ich geheilt. Die Selbsthilfe hat mir damals das Leben gerettet", bekennt Wolfgang Biermanski.

"Aber es muss doch etwas Passenderes geben für Leute wie mich", dachte er oft. 2012 gründete er das Wohlfühl-Netzwerk in Herne. Als Anlaufstelle für Leute jeden Alters mit und ohne Behinderung, die sich einsam fühlen und mehr unternehmen wollen. Einmal im Monat leitet Wolfang Biermanski den Wohlfühl-Treff, dazu kommen gemeinsame Spaziergänge, Ausflüge, politische Vorträge, die er organisiert. "Selbsthilfe ist mehr, als sich bei Kaffee und Kuchen auszutauschen. Es geht darum, interessante Kontakte zu ermöglichen. Leute aus der Reserve zu holen und in Bewegung zu bringen." Die rund 30 Mitglieder verabreden sich über die festen Treffen hinaus, bilden Fahrgemeinschaften, helfen sich beim Umzug, finden Gleichgesinnte für Hobbys. "Das Engagement gibt meinem Leben einen Sinn", sagt Wolfgang Biermanski,

Aktiv sein, das Haus zu verlassen, bleibt für Wolfgang Biermanski trotz Unterstützung durch Taubblinden-Assistenz enorm anspruchsvoll. Die Augen und Ohren sind schließlich die Sinne, über die man mit der Welt Kontakt aufnimmt. "Wenn ein Auto vorbeifährt, spüre ich nur den Luftzug. Besonders schwierig wird es auch mit Hörgerät, wenn die Geräuschkulisse ringsherum lauter wird", erklärt Wolfgang Biermanski. Aber auch in dieser Lebenssituation kann man teilhaben, das beweist er immer wieder neu. Unter seinem Vorsitz entstand nun in seiner Partei, der SPD, gerade eine Arbeitsgemeinschaft, die Menschen mit Behinderung eine politische Stimme geben will - die AG Selbst Aktiv - behinderte Menchen ind er SPD in Herne. "Damit nicht weiter ohne uns über uns entschieden wird", zeigt sich Wolfgang Biermanski selbstbewusst.