Betroffene testen Fahrkartenautomaten in Dresden

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

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Bild: Aktion Mensch e.V.

Dresden (kobinet) In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden sollen ab dem Jahr 2017 bei den Dresdener Verkehrsbetrieben (DVB) neuen Fahrkartenautomaten eingesetzt werden.  Diese werden in Dresden zunächst an ausgewählten Stellen in einen Testbetrieb gehen sowie dann nach und nach im Stadtgebiet zum Einsatz kommen. Gegenwärtig laufen die Test dieser neuen Automaten, welche die Dresdener Verkehrsbetriebe gemeinsam mit einer Projektgruppe des Selbsthilfenetzwerk Sachsen durchführen.

Nachdem Ende des vergangenen Jahres bereits Rollstuhlnutzer in der sächsischen Landeshauptstadt die neuen Fahrkartenautomaten der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) getestet hatten, wurden diese Erprobungen nun durch das Selbsthilfenetzwerk Sachsen mit Vertretern des Seniorenbeirats, des Blinden -und Sehbehindertenverbandes sowie des Verbandes der Körperbehinderten der Stadt fortgesetzt.

Nach ersten Hinweisen bei dem ersten Test zur Anordnung der Bedienelemente, der Größe des Displays, einer kontrastreichen Darstellung sowie zur Menüführung zeigte sich bei diesem weiteren Test, dass blinde Menschen nach dem bisherigen Stand kaum die Möglichkeit haben, die Automaten zu nutzen, da das Zwei-Sinne-Prinzip bisher nicht vollständig umgesetzt ist und es derzeit vor allem noch an akustischen Informationen fehlt. Auch bei der bisherigen Menüführung erwies es sich für stark sehbehinderte Fahrgäste schwierig, die notwendigen Informationen sicher zu finden. Das soll nun weiter vereinfacht werden.

Die bisherigen Test der neuen Fahrkartenautomaten brachten viele Hinweise zu ihrer barrierefreien Benutzung. Zugleich wurde auf Lösungsmöglichkeiten verwiesen, die von anderen Verkehrsbetrieben in anderen Städten Deutschlands bereits erfolgreich praktiziert werden. Im Verlauf der bisherigen Test haben beide Seiten ihren Willen unterstrichen, die Einführung dieser neuen Automaten gemeinsam zu erledigen. So werden die Verantwortlichen der Dresdener Verkehrsbetriebe und die Projektgruppe des Selbsthilfenetzwerk Sachsen die weiteren Schritte gemeinsam gehen und auch die praktische Einführung der Automaten mit gemeinsamer Öffentlichkeitsarbeit begleiten.

Lesermeinungen zu “Betroffene testen Fahrkartenautomaten in Dresden” (7)

Von Sven Drebes

@Signe:
Das mag in Dänemark und Norwegen so sein. In London sieht es aber z.B. anders aus. Dort fahren Rollstuhlfahrer generell kostenlos Bus, in der U-Bahn müssen sie aber zahlen, es sei denn, sie haben einen Ausweis von "ihrem" Londoner Stadtbezirk. Begleiter zahlen überall. In Leeds zahlen alle. Und die ÖBB gwwährt nur Menschen mit österreichischen Schwerbehindertenausweisen Nachteilsausgleiche.
Die "European Mobility Card" wird zwar seit Jahren gefordert, kommt aber nicht voran, u.a. weil es in den 28 EU- und 3 EWR-Staaten ganz verschiedene Nachteilsausgleiche für ganz unterschiedliche Personengruppen gibt.

Von Signe

@ Arnd Hellinger:
In Norwegen und Dänemark wurde ich als Begleiterin desjenigen problemlos mit dem Zug und in der S-Bahn mitgenommen. Was sagen Sie nun?
Es gibt wohl keinen EU-weiten, einheitlichen Schwerbehindertenausweis, aber (unabhängig von einem EU-weit einheitlichen SB-Lappen) die Rechte von Behinderten sind mitunter bereits gegenseitig von den Ländern anerkannt worden. Und Norwegen ist nicht einmal in der EU, sondern nur in einer nordeuropäischen Union und anerkennt rechtlich (zumindest im ÖPNV) den deutschen SB-Lappen (aka SB-Ausweis).

Von Arnd Hellinger

@Signe:

Unterlassen Sie bitte derartige Falschaussagen.

Was "europaweit" gilt, ist derzeit _nur_ der blaue EU-Parkausweis. Der berechtigt aber nur zum Parken auf entsprechend markierten Parkplätzen und - je nach nationalem Verkehrsrecht - in manchen Ländern zum befristeten Parken im eingeschränktem Halteverbot. Der hat aber keine Bedeutung im ÖPNV oder Eisenbahnverkehr.

Einen Behindertenausweis, der in ganz Europa die unentgeltliche Nutzung des ÖV erlauben würde, gibt es nicht.

Von Signe

@ S.Drebes

Hallo Herr Drebes,
der Schwerbehinderten-Ausweis gilt europa-weit und somit auch gelten auch die Freifahrten europaweit.

Von Sven Drebes

Ich denke, die Sache ist wesentlich banaler. Blinde Touristen aus dem Ausland müssen zahlen, manche einheimischen Blinde wollen Fahrkarten für Besucher kaufen, un ihnen den Besuch zu erleichtern, und zumindest in Berlin spucken die Automaten auch Fahrplanauskünfte und Eintrittskarten für Museen etc. aus.

Von Signe

@ Hartmut:
Wie aus der Diskussion um das (anteilige) Zahlen von Rundfunkgebühren (die Diskussion, die eigentlich keine war, fand vor der Einführung der Rundfunkgebühren statt) deutlich in Erinnerung geblieben, waren seinerzeit die Blindenorganisationen und deren blinde (!) Lobbyisten, Verbandsgurus dafür und haben sich hierfür auch noch eingesetzt, dass Rundfunkgebühren gezahlt werden, schließlich gehöre man dazu und man wolle gleichberechtigt in der Gesellschaft behandelt werden.
Ich fürchte, auf solche dreiste und zugleich dumme Nicht-Argumentation solcher behindertenpolitischen Seilschaften wird es immer und immer wieder hinauslaufen, so lange es Neolibs unter den Behinderten gibt, die sich gesellschaftlich anbiedern.
Deshalb: Ich finde es in Dresden bereits eine Anbiederei von den Blinden, die die Technik testen. Ich hätte mich nicht dazu hergegeben, für die Entwickler der Fahrkartenautomaten die Dumme zu geben, die den Entwicklern die Arbeit abnimmt, für'n Nassen (also ohne Bezahlung). Woanders wird Berater- und Testertätigkeit gut bezahlt. Insofern sind hier die Behinderten tatsächlich wohl die Dummen, aber die freiwillig Dummen.

Von Hartmut

Trudi Kindl: Warum müssen Fahrkartenautomaten im öffentlichen Nahverkehr für Blinde zugänglich sein? Wir fahren doch mit unserem Eintrag im Schwerbehindertenausweis frei. Oder ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass wir demnächst auch bezahlen müssen?