Technik kann helfen

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Gehlernwagen
Gehlernwagen
Bild: Simeon Johnke

Hilpoltstein (kobinet) Langsam setzt Lorenzo Borriello einen Fuß vor den anderen. Nach ein paar Schritten braucht er eine Pause. Der 19-Jährige lernt gerade das Laufen. Er sitzt seit seiner Kindheit im Rollstuhl und kann sich mit Worten nicht mitteilen. „Er ist energiegeladen und neugierig auf seine Umgebung und er will sich bewegen“, sagt Erika Tautz vom pädagogischen Fachdienst der Förderstätte am Auhof.

Doch Lorenzo Borriello fehlt noch die Kraft in den Beinen. Seine Muskulatur muss sich weiter aufbauen. Und sein Körper muss erst lernen, was es heißt, zu laufen. „Wenn wir ein Bein heben, kommt unser Körper in eine leichte Schieflage“, erklärt Erika Tautz. „Menschen, die nie laufen gelernt haben, verweigern das häufig unbewusst“, sagt die Sozialpädagogin. Das Vertrauen in den eigenen Körper fehle. Lorenzo Borriello übt deshalb mit einem speziellen Gehlernwagen.

Das Gestell bewegt sich dynamisch mit, gibt ihm den nötigen Halt und Sicherheit. Eine Heilerziehungspflegerin übt mit dem 19-Jährigen, der seit September 2017 die Förderstätte am Auhof besucht. Sie geht neben ihm und ermuntert den jungen Mann, den nächsten Schritt zu machen. Manchmal hebt sie einen Fuß von Lorenzo Borriello an und setzt ihn vor dem anderen Fuß wieder ab, so dass er die Bewegungen bewusst wahrnimmt.

Bevor er in die Förderstätte kam, nutzte der junge Mann einen Stehständer, in dem er das Stehen übte. Das ist die Voraussetzung zum Laufen. Jetzt lernt er, einen Fuß kontrolliert und koordiniert vor den anderen zu setzen. Der Gehlernwagen rollt bei jeder Bewegung ein kleines Stück nach vorne. Wenn Lorenzo Borriello eine Pause braucht, kann er setzen, denn der Wagen verfügt über einen Sitz. Alles an dem Wagen lässt sich individuell für den Nutzer oder die Nutzerin einstellen.

Ganz anders als die alten Gehlernwagen, die die Förderstätte bisher hatte. Lorenzo Borriello konnte die statischen Geräte nicht nutzen. Sie gaben ihm nicht die nötige Sicherheit. „Durch den neuen Gehlernwagen hat Lorenzo das erste Mal die Möglichkeit, selbstständig an einen anderen Ort zu kommen“, sagt seine Betreuerin. Er lernt die Welt stehend kennen, auf Augenhöhe mit anderen Menschen. „Der Gehlernwagen ist der teuerste, aber auch der tollste“, schwärmt sie. Allerdings konnte er nur durch Spenden und einen deutlichen Preisnachlass angeschafft werden und er kostete immerhin rund 6.200 Euro.