Party statt Pathologisierung
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
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Berlin (kobinet) Zum dritten Mal ruft ein linkes Bündnis von Behinderten, Verrückten & Normalgestörten zur Teilnahme an der Pride Parade in Berlin auf. Die Demonstration steht in diesem Jahr unter dem Motto „Party statt Pathologisierung, Kritik statt Sonntagsreden!", wurde heute von den Veranstaltern der Presse mitgeteilt. Am Samstag, 11. Juli, gehts um 16 Uhr los am Hermannplatz in Neukölln. Von hier aus zieht die Parade durch Kreuzberg zum Kottbusser Tor.
Im Aufruf heißt es: „Über ‚Inklusion' wird heute gesprochen, als sei sie von Politiker*innen oder Funktionär*innen des Hilfesystems erfunden worden. Oft genug soll Inklusionsreklame beruhigen, der Kritik den Stachel ziehen und der Öffentlichkeit vormachen, dass es alle gut meinen mit Behinderten & Verrückten. Aber verborgen hinter den Kulissen stehen die gesellschaftlichen Realitäten, die ausgrenzenden Bildungseinrichtungen und Arbeitsmärkte, die Pathologisierung von Geschlechtern, die Gewalt in Heimen und Psychiatrien und Migrationsgesetze, die behinderten und traumatisierten Geflüchteten Hilfeleistungen verweigern. Die Sonntagsreden sind der schöne Schein einer kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft, der wirkliche Inklusion fremd ist und die uns zum Funktionieren zwingen will, ohne menschlichen Bedürfnissen zu entsprechen."
Die Kritik der Vereinten Nationen vom April des Jahres an der mangelnden Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland zielt auf ähnliche Punkte. Darauf weist Matthias Vernaldi vom Bündnis hin: „Die zuständige Kommission zeigt sich in ihrem Bericht besorgt, dass Deutschland seinen Verpflichtungen in verschiedenen Bereichen nicht nachkommt. Dies betrifft die unfreiwillige Unterbringung von Menschen in Institutionen sowie den Umstand, dass physische oder medikamentös erwirkte Fixierungen in Heimen und Psychiatrien nicht als Folter anerkannt werden. Außerdem kritisiert die Kommission das Fehlen von Angeboten für ein Leben Behinderter außerhalb von Institutionen, auch in Bezug auf den Arbeitsmarkt, und den Ausschluss von Flüchtlingen mit Behinderung von Leistungen des Gesundheitssystems."
Mit der Parade feiern Menschen, die als behindert/verrückt gelten, öffentlich und selbstbewusst ihre Kämpfe um Emanzipation und die errungenen Siege. Sie zeigen, dass sie sich für ihr Sosein nicht schämen, geschweige denn entschuldigen müssen. Gleichzeitig und folgerichtig ist die Parade auch eine Demonstration gegen die genannten und weitere Missstände.
